Wohlbefinden als Steuerungsinstrument: Positive Psychologie für menschenzentrierte Verwaltungsdienste
Wissenschaftlicher Artikel
Überblick
Abstract
Die Verwaltungsdigitalisierung in Deutschland bleibt trotz technischer Fortschritte und gesetzlicher Grundlagen wie dem Onlinezugangsgesetz (OZG) hinter ihren Erwartungen zurück. Die geringe Nutzung digitaler Verwaltungsleistungen verweist auf Defizite in ihrer Gestaltung, was insbesondere auf Defizite in Bezug auf Nutzerorientierung und psychologische Wirkung zurückzuführen ist. Dieser Beitrag argumentiert, dass eine menschenzentrierte Gestaltung digitaler Verwaltungsdienste nicht nur deren Inanspruchnahme erhöht, sondern auch das Vertrauen der Bürger:innen in den Staat stärkt. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Prinzipien der Positiven Psychologie – insbesondere die Förderung von Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit – zur Verbesserung der digitalen Daseinsvorsorge beitragen können. Auf Basis theoretischer Konzepte wie Human-Centered Design, Public Value und der Selbstbestimmungstheorie wird ein interdisziplinärer Ansatz entwickelt, der die digitale Transformation der Verwaltung als Chance für ein neues, vertrauensstiftendes Staatsverständnis begreift. Exemplarisch werden proaktive und lebenslagenorientierte Verwaltungsservices als praktische Anwendung dieser Perspektive diskutiert.